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„Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V.“ hat 25-jähriges Jubiläum

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„Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V.“ hat 25-jähriges Jubiläum

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Quelle: Westerwälder Zeitung Nr. 10 vom 12.01.2018

 

Johannes Heibel hat uns außerdem die Rohfassung des Artikels zukommen lassen: —>

Jungen Opfern von Gewalt wird seit 25 Jahren geholfen

 

Hilfe Johannes Heibels Initiative gegen Gewalt aus Siershahn wurde 1993 gegründet – Mehr als 1000 Fälle

 

Siershahn.

Immer wieder werden Menschen Opfer von Gewalt oder sexuellen Missbrauch. Leider gehören auch Kinder und Jugendliche zu den Betroffenen. Auch im Westerwaldkreis. Daher hat sich vor 25 Jahren in Siershahn die bundesweit aktive „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V.“ gegründet. Bis heute setzt sie sich unter dem Vorsitzenden und Mitgründer Johannes Heibel für den Kinder- und Jugendschutz in Deutschland ein, will Missstände und Gesetzeslücken aufzeigen.

Die Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen ist bundesweit aktiv. Etwa 110 Mitglieder hat der Verein, davon sind zirka 20 Mitgliederinnen und Mitglieder aktiv. Für die Beratung Unterstützung der Gewaltopfer und ihren Vertrauenspersonen ist in erster Linie der Diplom Sozialpädagoge Johannes Heibel zuständig. Oberstes Ziel des Vereins ist es, Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern möglichst zu verhindern. Und wenn das nicht gelingt, jungen Gewaltopfern zumindest im Nachhinein beizustehen und sie schützen, Betroffene oder deren Vertrauenspersonen zu beraten, sie zu Gerichtsterminen zu begleiten und sie an erfahrene Anwältinnen und Anwälte und Therapeutinnen und Therapeuten zu vermitteln. „Für die Betroffenen ist es unglaublich wichtig, dass sie nicht alleine sind“, macht Heibel deutlich. „Manchmal reicht es schon, dass man ihnen einfach zuhört.“ Die Initiative entwickelt einen Hilfeplan für die Menschen, zeigt ihnen Perspektiven auf. Falls nötig greifen sie den Betroffenen auch finanziell unter die Arme, sollte das Geld beispielsweise für die Fahrt zur Therapiestätte, Anwaltskosten oder andere Maßnahmen Notwendig sein. Ein wichtiger Aspekt der Initiative ist darüber hinaus die Prävention. Der Verein hat eigens dafür ein Kinderbuch herausgegeben und Präventionsprojekt für Kinder im Grundschulalter entwickelt. Dazu kommt, dass auch Fortbildungsveranstaltungen für Erzieher, Lehrer, Gruppenleiter und Eltern angeboten werden. Dazu zählt auch die Zusammenarbeit mit Behörden und Institutionen. Gleichermaßen versucht sich die Initiative für die Opfer stark zu machen und engagiert sich auch öffentlich.

Bis heute hat die Initiative an die 1000 Fälle bearbeitet. Teilweise lassen Heibel vereinzelt Fälle seit der Gründung nicht los. Mit einigen Betroffen steht er noch heute in Kontakt. „Das sind ganz unterschiedliche Fälle. Das geht sogar bis hin zu Mord“, erzählt der Vorsitzende. Mehr als 20 Jahre hat der studierte Sozialpädagoge doppelt gearbeitet. Seine letzte Arbeitsstelle war Remagen. Dort baute er für die Stadt ein Jugendzentrum auf und leitete es bis Ende November 2012. Sein ehrenamtliches Engagement liegt ihm bis heute sehr am Herzen. Mit unzähligen Schicksalen sah er sich konfrontiert. Alle sind ihm sehr nah gegangen. „Die Fälle haben mich immer belastet“, erzählt er. „Man muss aufpassen, dass es nicht zu viel wird.“ Heibel hat nie sein Ziel aus dem Blick verloren. Es geht ihm um Gerechtigkeit, darum, dass den jungen Menschen geholfen wird. Was ihm hilft, die Schicksale zu verarbeiten, sind die vielen Projekte seitens der Initiative, erzählt er. Dazu gehört unter anderem das oben bereits erwähnte Präventionsprojekt mit dem Titel „Schutzbär Bulli“ (ein großer Teddy mit Polizeiuniform) aber auch Kunstprojekte. Darüber hinaus schreibt er auch gerne. Sein letztes Buch „Der Pfarrer und die Detektive“, ein Sachbuch über den Umgang mit Priestertätern in der katholischen Kirche, ist im Juni 2014 erschienen.

Der heutige Verein geht auf eine Initiative besorgter Eltern aus Wirges zurück. Anfang 1992 hatten Schülerinnen über einen Lehrer geklagt, er hätte sie geschlagen und sei zudringlich geworden. Eine Schülerin versuchte sich sogar das Leben zu nehmen. Die besorgten Eltern gründeten in der Verbandsgemeinde Wirges eine „Elterninitiative gegen Gewalt und sexuelle Belästigung in unserer Schule“. Die Ermittlungen gegen den Lehrer wurden damals eingestellt. Doch der Wunsch nach einem gemeinnützigen, anerkannten Verein, der sich für solche Fälle einsetzt, kam mehr denn je auf. So trafen sich dann am 15.1.1993 insgesamt 27 Bürgerinnen und Bürger in der Gaststätte Wehler in Dernbach und gründeten die Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V.

 

25 Jahre Opferschutz in Siershahn. Johannes Heibel blickt zurück.

„Grundsätzlich bin ich mit unserer Arbeit sehr zufrieden“, bilanziert Heibel. „Wir tun was nur irgend möglich ist und scheuen uns auch nicht, uns mit den Systemen und der Politik anzulegen. Gesellschaftspolitisch gesehen hat die Initiative einiges erreicht und mit dazu beigetragen, dass das Thema weit über die Grenzen des Westerwaldes hinaus heute eine andere Wahrnehmung erfährt wie vor 25 Jahren. Besonders stolz sind wir darauf, dass es uns gelang, eine Gesetzesänderung auf Bundesebene in die Wege zu leiten.

Womit ich nach wie vor nicht zufrieden bin, ist die Haltung von Politik und Justiz. In den letzen 25 Jahren gelang es uns in über einem Dutzend Fällen nur durch eigene, akribische Recherchearbeit Fälle aufzuklären und Täter zu überführen, was gleichzeitig auch die Besonderheit unsere Arbeit ausmacht. Bundesweit ist mir bis heute keine Beratungsstelle bekannt, die diese nicht ganz ungefährliche Arbeit auf sich nimmt. Gleichzeitig ist das für mich ein Indiz dafür, dass die Ermittlungsbehörden immer noch nicht gut genug aufgestellt sind. Das muss sich dringen ändern. Die Messlatte für einen Anfangsverdacht, der die Behörden erst berechtigt Ermittlungen aufzunehmen, muss dringend runter geschraubt werden. Zudem fehlt es oft noch an der notwendigen Professionalität von Mitarbeitern der Justiz. Hier muss in Zukunft auch über andere Arbeits- und Vorgehensweisen nachgedacht werden. Es wäre sinnvoll sich zum Beispiel auch einmal mit unserer Arbeit einmal näher auseinander zu setzen. Nur wenn wir bereit sind miteinander zu sprechen und voneinander zu lernen, kann der Kinder- und Jugendschutz in unserem Lande wirklich spürbar verbessert werden. Kinder sind unsere Zukunft, Sie zu schützen muss oberste Priorität im Staate sein“, sagt Johannes Heibel.

 

„Eine Feier wird es dennoch nicht geben. Unter diesen Umständen gib es nichts zu feiern“, sagt der Vorsitzende der Initiative. Wir werden uns aber mit Mitgliedern und einigen Freuden um den Zeitpunkt der Gründung in einem Restaurant in Dernbach treffen. Anstelle einer Feier werden wir 2019 ein Bildband über unsere bundesweite Mühlsteinaktion (siehe: www.initiative-gegen-gewalt.de unter „Projekte“ und dort unter „Mahnender Mühlstein“) herausgeben.“

 

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